SEO Day 2019 Recap: Aktuelle Tipps, Trends und Thesen zur Suchmaschinenoptimierung

13.11.2019 | Autor: Tobias Roth | Lesezeit: 7 Minuten

45 Speaker, 900 Gäste, 200 Medienpartner, 50 Sponsoren und jede Menge geballtes Fachwissen sind die Zutaten für eine der führenden SEO-Fachkonferenzen Deutschlands – dem SEO-Day in Köln.

Zum neunten Mal fand sich das Who’s who der Suchmaschinenoptimierer am vergangenen Donnerstag, 07.11.2019, im Kölner RheinEnergieSTADION zusammen und fachsimpelte über aktuelle Veränderungen, Trends und Tendenzen im Bereich der Suchmaschinenoptimierung. Unser SEO-Spezialist Tobias Roth war zum ersten Mal auf dem SEO-Day und teilt mit Euch in diesem Recap seine Eindrücke von der diesjährigen Konferenz.

Anfang November gibt es für jeden SEO im Lande einen Event-Pflichttermin: Der von Fabian Rossbacher organisierte SEO-Day im Stadion des 1. FC Köln.

Auf den drei Bühnen (#1 E-Commerce SEO, #2 Onsite/Offsite, #3 SEO-Coder) beantworteten die Speaker in 37 Vorträgen Fragen wie „Was machen meine Konkurrenten besser als ich?“, zeigten ungewöhnliche Freundschaften (Javascript + SEO) auf und plauderten ihre besten SEO Tipps, Tricks und Geheimnisse aus. Wem das noch nicht ausgereicht hat, der konnte sein Wissen in zwei sog. „Deep Dive“-Räumen mit praxisnahen „Masterclass“-Vorträgen vertiefen.

Aus dem Nähkästchen eines Geschäftsführers und SEOs: 12 Jahre Menschen, Webseiten und Fremdsysteme – Patrick Klingberg @Onsite-/Offsite-Raum

Für mich startete der Tag mit dem Vortrag von Patrick Klingberg, CEO der artaxo GmbH, der von seinen Erfahrungen aus 12 Jahren SEO berichtete. Mit seinem 32 Punkte umfassenden „SEO-Traumdokument“ zeigte er wichtige Tipps und Tricks auf, was man bei der Suchmaschinenoptimierung machen kann und auf was dabei geachtet werden sollte. So sollte bspw. die Ladezeit unter 2 Sekunden liegen, Call-to-Action Buttons / Produkte / USPs und Trust-Elemente im Above-the-Fold – Bereich enthalten sein.

Folgende Punkte umfasst Patricks „SEO-Traumdokument“ / Foto: Tobias Roth

Anhand eines prominenten Beispiels, nämlich der Webseite von Salesforce, konnte er zeigen, dass auch die Global Player noch einige Fehler machen. Mit einer „site:“-Abfrage stellte sich heraus, dass Salesforce.com über 7.500 PDF-Dokumente im Index hat. Dass hier massiv Crawlbudget verbraten wird und ggf. nicht alle der PDFs öffentlich einsehbar sein sollten, daran wurde wohl nicht gedacht.

 

Wettbewerbsbeobachtung im Internet: was machen meine Konkurrenten besser als ich? – Johannes Beus @Onsite-/Offsite-Raum

Den zweiten Vortrag steuerte Johannes Beus, Gründer & Geschäftsführer des SEO-Tools „Sistrix“, bei. Er befasste sich mit einem der essenziellsten Themen bei jeder Suchmaschinenoptimierung – dem Wettbewerb und was dieser besser macht als man selbst. Des Rätsels Lösung ist so simpel wie genial: Schau dir die SERPs an! 

Warum in die Ferne schweifen, die Lösung liegt so nah / Foto: Tobias Roth

Statt sich den Kopf über neuartige Website-Konzepte zu zerbrechen, reicht oftmals der Blick in die Suchergebnisse schon aus, um zu wissen, welche (Content-)Formate am besten ziehen und ganz oben ranken. Dabei gilt das Credo: Verstehen, kopieren, verbessern (v-k-v)!

In einem 5-Punkte-Plan veranschaulichte Johannes, wie man seine Seite und Inhalte optimieren soll, um das bestmögliche Ergebnis zu erhalten:

  1. Erstelle Dein eigenes Keyword-Set
  2. Erkenne Marktführer in Deiner Nische
  3. Identifiziere die Erfolgsformate
  4. Verstehe die Erfolgsformate und erkenne das System hinter dem Erfolg
  5. Kopiere das Erfolgsformat und verbessere es regelmäßig

(Nachfolgendes war nicht Bestandteil von Johannes‘ Vortrag, passt aber an der Stelle perfekt) Am Beispiel der Suchanfrage „otto gutschein“ sieht man, dass sich sowohl die Inhalte als auch die URL-Architektur der Top 3 Treffer stark ähneln – womit die „v-k-v“-Strategie bekräftigt wird:

 

(Sichtbarkeit ≠ Traffic) + (Traffic ≠ Conversions) * Semantische Verlinkung / Nutzersignale = SEO 2019 – Maximilian Muhr und Jan Achtermann

Als nächstes standen die beiden Ex-Piraten für mich auf dem Plan: Max und Jan waren bis zum Sommer dieses Jahres federführend für die Suchmaschinenoptimierung von Urlaubspiraten.de verantwortlich.

In dem Vortrag zeigten die beiden auf, dass die reine Sichtbarkeit einer Domain nichts über den (qualifizierten) Traffic und dessen Conversion-Wahrscheinlichkeit aussagt.

Die Zeit war kurz das Tempo hoch und Zahl an interessanten Erkenntnissen stieg stetig. Ein Thema lag den beiden ganz besonders am Herzen: Optimiere Deine Seite mit strukturierten Daten, um in den SERPs mit Rich-Snippets zu glänzen. Tolles Beispiel ist das Q&A-Snippet, wie man an diesem Beispiel sehen kann:

Die Webseite, die das Q&A-Markup hat, ist mehr als doppelt so groß / Foto: Screenshot Google

Die Umsetzung ist denkbar einfach – die Seite wird mittels HTML-Code um gewisse Parameter erweitert. Welche es gibt und wie man sie implementiert findet man auf der offiziellen Google-Seite dazu.

 

Relaunch NEU denken - Strategien zur Performancesteigerung! – Juliana Schmidt & Uwe Roll @E-Commerce SEO

Sehr gespannt war ich auf den Vortrag von Juliana und Uwe. Ich fand schon den OMT-Artikel zum Thema „Keyword-Recherche“ klasse, deshalb war ich darauf gespannt, die beiden auch mal in „Live“ zu erleben – und wurde nicht enttäuscht.

Die beiden haben dem gut gefüllten Raum mehrere Strategien zur Performance-Steigerung im Zuge eines Relaunches präsentiert und anhand eines Avengers-Posters bereits früh aufgezeigt, dass ein Relaunch nicht nur eine Abteilung tangiert, sondern weitaus mehr. Um alle Abteilungen so früh wie möglich „abzuholen“ und einzubinden, bespricht man sich mit den Kollegen und notiert Ziele und Wünsche. Ziel ist es, dass man am Ende einen gelungenen Relaunch feiern kann, der alle Abteilungen glücklich macht und nach vorne bringt.

Folgende Themengebiete müssen beachtet und Abteilung involviert werden:

  1. URL-Design/Informationsarchitektur -> PM, IT, UX, SEO, SOCIAL, SEA, MI
  2. Indexierungsmaßnahmen/Seiten löschen -> PM, IT, SEO, CONTENT, SOCIAL, SEA, MI
  3. Page Speed -> PM, IT, SEO, CONTENT, SOCIAL, SEA, MI
  4. Crawlingmanagement/Linkmaskierung -> PM, IT, SEO
  5. Content-Qualität/Responsive Content -> PM, IT, SEO, UX, CONTENT
  6. Strukturierte Daten -> PM, IT, SEO, EINKAUF
  7. Datengetriebene Automatisierungen -> PM, IT, SEO, UX, CONTENT
  8. Usability/UX -> PM, IT, SEO, SEA, CONTENT, UX
  9. Mobile First -> PM, IT, SEO

Die beiden haben einen Zeitstrahl mitgebracht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange so ein Relaunch dauert/dauern kann und was für Themen abgearbeitet werden müssen.

Was ein Relaunch alles umfasst und wie lange es dauert / Foto: Tobias Roth

Große Performance-Steigerungen können nachfolgende low hanging (SEO-)fruits erbringen:

  • Weiterleitungen (sauberes Weiterleitungskonzept)
  • Responsive Design (Paradigmenwechsel -> mobile first!)
  • Keywords & Content (Rankingrelevante Inhalte, Titles, Descriptions, etc.)
  • Fehlerfreie IT (keine 404s, Weiterleitungsketten u.a. technische Fehler vermeiden)
  • Crawling & Indexierung (Crawlbarkeit garantieren und irrelevante Seiten aus dem Index nehmen)
  • Technische Steuerung (SEO-relevante Feinjustierungen auch nach dem Relaunch möglich machen)

 

GET SH!T DONE – 11 sofort umsetzbare SEO-Tipps im Wert von 36 Tsd. Euro – René Dhemant @Onsite-/Offsite-Raum

Nach der Mittagspause ging es für mich mit „11 sofort umsetzbaren SEO-Tipps“ weiter. Renés Vortrag war ein 30-minütiges „Tipp-Gewitter“, das es so richtig in sich hatte! Kein Laber-Rhabarber und kein Bullshit-Bingo. Stattdessen: Praxiserprobte Tipps, einfach vermittelt und fundiert begründet.  100% im Alltagsgeschäft anwendbar.

René Dhemant auf dem SEO-Day 2019 / Foto: Veranstalter

Ebenso kurz und knackig wie Rene es gemacht hätte, möchte auch ich Euch meine wichtigsten fünf Learnings mitgeben:

  • Google Analytics muss konfiguriert werden, sonst verarscht es Dich bei den (organischen) Zahlen! („Referral“-Traffic ist auch organischer Traffic)
  • FAQ-Markup nach Schema.org ist ein echter Gewinn! (siehe auch -> Vortrag von Maximilian Muhr und Jan Achtermann)
  • Lazy Loading: Seiten-Elemente dem User erst dann ausspielen, wenn er es wirklich braucht
  • F*ck Javascript -> nutze CSS3! Schlanker, leichter, besser.
  • UX Playbooks von Google – konkrete Best-Practices und Empfehlungen direkt von Google

 

JavaScript & SEO – eine ungewöhnliche Freundschaft – Martin Splitt @Onsite-/Offsite-Raum

Nachdem nur wenige Minuten vorher René Dhemant auf das Thema Javascript „draufgehauen“ hat, plädierte Martin Splitt nun für das Bestehen von Javascript und zeigte auf, dass JS, wenn richtig angewendet wird, ein bester Freund von SEO sein kann.

Martin, seines Zeichens Webmasters Trends Analyst bei Google, hat direkt zu Beginn seines Vortrags angekündigt, dass es sehr technisch werden würde. Er sollte Recht behalten!

Mit Martin Splitt war auch ein Vertreter von Google vor Ort / Foto: Veranstalter

Zugegeben: So einen intensiven Vortrag zum Thema Javascript habe ich noch nie zuvor gehört. Ich hatte viele Fragezeichen im Kopf (bin/war ich der einzige??), aber das „große Ganze“ habe ich verstanden. Und ich war begeistert, wie gut man seine Javaskripte optimieren kann, um den „Netzwerk“-Reiter in der Google Chrome Developer Console nicht zum Glühen zu bringen ;-)

Googlebot „kann“ JavaScript, allerdings fokussiert sich Googlebot im ersten Schritt auf die HTML-Website und indexiert die dort gefundenen Inhalte. Sollte man mittels JavaScript Inhalte dynamisch (nach-)laden, müssen diese – in einem zweiten Step – zusätzlich auf ein Rendering warten, um von Google gesehen und indexiert zu werden. Es ist daher essenziell, dass die wichtigsten Seiteninhalte (z.B. Title und Description) unmittelbar im HTML-Code der Webseite zu finden sind.

Damit der Internet-Nutzer bzw. Crawler selbst bei Einsatz von JavaScript die Inhalte einer Webseite schnell und einfach crawlen, rendern und indexieren kann, lohnt es sich, auf Server Side Rendering (auch Pre-Rendering genannt) umzusteigen. Beim serverseitigen Rendern werden die Inhalte Eurer Seite schon auf Eurem Server gerendert und so an den Crawler übergeben, als ob es sich dabei um reines HTML handeln würde. Dadurch hilft man Crawlern wie dem Googlebot, der Euer JavaScript also nicht mehr selbst rendern muss!

Neben dem serverseitigen Rendern gibt Martin noch weitere Tipps mit, um die Page-Performance zu verbessern:

  1. Baut Webseiten, die im „Netzwerk“-Reiter so wenig wie möglich ausführen. Statt also bspw. 50 JavaScripte beim Besuch der Seite auszuführen, fasst diese in bspw. 5 (größere) JavaScripte zusammen.
  2. Nutzt „Lazy Loading“. Nicht-kritische oder nicht sichtbare Inhalte (z.B. Bilder), die nicht unmittelbar wichtig für den Website-Besucher sind, sollte man beim Laden zurückstellen. Dadurch ergibt sich eine Leistungssteigerung und eine Optimierung der Seitennutzung.
  3. Dynamisches Rendering, um eine für Crawler passende Version deiner Webseite auszuspielen, bspw. eine statische HTML-Version. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der durch dynamisches Rendering generierte Seiteninhalt der „echten“ Webseite ähnlich ist, sonst läuft man Gefahr durch Cloaking abgestraft zu werden.

Um zu sehen, wie Google die eigene Webseite crawlt und rendert, sollte man den Mobile-Friendliness-Test (wichtig: Bitte in die „HTML“-Spalte schauen!) bzw. das URL-Prüftool in der Google Search Console verwenden. So kann man überprüfen, ob Google wirklich alles Wichtige auf der Webseite erfasst hat und indexieren kann.

Website Clinic – Christian Solmecke, Nicolas Sacotte, Thomas Mindnich, Jens Fauldrath und Johannes Beus @Superpanel

Zum Abschluss des SEO-Day’s gab es das mir bereits bekannte „Website Clinic“-Format. Dabei werden Webseiten, die sich im Vorfeld der Veranstaltung dafür beworben haben, von mehreren Experten untersucht und ehrlich gesagt, was gut und was schlecht an (D)einer Webseite ist.

Folgende Seiten wurden kritisch beäugt, gelobt und „zerrissen“:

  • fertila.de
  • motorradbekleidung.net
  • azubis.de

Die Experten der Website Clinic (v.l.n.r.): Christian Solmecke, Nicolas Sacotte, Thomas Mindnich, Johannes Beus und Jens Fauldrath / Foto: Veranstalter

 

“Offtopic”: Gewinner WildsauSEO-Contest

Auch in diesem Jahr hat der Veranstalter Fabian Rossbacher wieder zu einem SEO-Wettbewerb aufgerufen. 2019 galt es auf das Wort „WildsauSEO“ zu optimieren: Ziel des Contests ist es, auf das Keyword „WildsauSEO“ zu optimieren und auf Platz 1 in Google Deutschland zu ranken. Viel Zeit hatte man dazu nicht – Anfang September 2019, also ziemlich genau zwei Monate vor dem SEO-Day war die Challenge gestartet.

In diesen 60 Tagen galt es, alles aus seinem SEO-Repertoire rauszuholen und die beste Webseite für das Thema zu erstellen: Die Seite von Murat Ulusoy von Sumax hat das schließlich am erfolgreichsten   geschafft. An dieser Stelle nochmal Glückwunsch und viel Spaß mit den Preisen (und vor allem der „Sau-Trophäe“ – *Neid*)!

WildsauSEO-Content-Gewinner Murat Ulusoy (Sumax) mit SEO-Day-Veranstalter Fabian Rossbacher bei der Preisverleihung / Foto: Veranstalter

 

Mein persönliches Fazit

Mein erster SEO-Day und wahrscheinlich auch nicht mein letzter. Gut acht Stunden Druckbetankung aus meiner Online Marketing-Lieblingsdisziplin „Suchmaschinenoptimierung“, eine beeindruckende Location und jede Menge tolle Gespräche. Was Fabian da seit nunmehr neun Jahren immer wieder auf die Beine stellt, ist für mich die beste deutschsprachige SEO-Konferenz der Bundesrepublik und mit einiger Berechtigung Pflichttermin für Suchmaschinenoptimierer.

Hier und da war ich etwas enttäuscht von der Auswahl der Speaker, den Themen (z.T. Wiederholungen), fehlenden Hinweisen (welcher Raum erwartet mich hinter der Tür?) und der Kürze der Slots (30 Min ist manchmal schon echt grenzwertig kurz gewesen; keine Zeit für Rückfragen): ABER im Großen und Ganzen geht der Daumen nach oben und ich kann eine klare Empfehlung aussprechen!

In diesem Sinne – see you @ SEO-Day 2020! :-)



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